
P. Antonius Maria Bodewig (1839 -
1915)
Der Ordensgründer
Er wurde
als Sohn von Constantin und Elisabeth Bodewig in Bonn geboren. Am 21.
August
1856 trat er in die Gesellschaft Jesu der
Provinz
Münster ein, studierte
Philosophie und
Theologie und wurde am 11. Oktober
1868 zum
Diakon geweiht. Danach war er Lehrer am
Stella-Matutina-Kolleg in
Feldkirch in
Vorarlberg. Am
3. Mai
1871 wurde er zum
Priester geweiht.
1872 wurde
er nach
Indien versetzt und arbeitete im St.
Mary's-Institut in
Bombay, wo er neben
Englisch auch
Marathi und
Sanskrit lernte sowie
hinduistische Philosophie und Mythologie
studierte. Am 23. Januar 1874 wurde er mit der Mission in
Igatpuri beauftragt. Dort versuchte er
wie
Roberto de Nobili († 1656) als
christlicher
Sannyasin zu leben
(Anmerkung: "Sannyasa" bezeichnet im
Hinduismus einen Menschen, welcher der Welt völlig entsagt hat und in
absoluter Besitzlosigkeit lebt).
Bei der dortigen
Gemeinde stieß er damit auf kein Verständnis und suchte um Versetzung an.
Ab 1874 wurde er vom vorgesetzten Bischof Meurin zunächst nach
Nasik, Igatpuri, Bombay,
Deolali und schließlich wieder nach
Bombay geschickt. 1875 kam es zum endgültigen Bruch mit Bischof Meurin.
1876 kehrte Bodewig wieder nach Deutschland zurück.
In den
folgenden Jahren wurde er mehrmals versetzt und war in
Feldkirch,
Kopenhagen,
Lancashire,
Wakefield,
Buffalo,
Exaeten in
Holland,
New York und
Philadelphia tätig. Er wollte sich
weiterhin für die Evangelisierung Indiens mittels Verständnis für dessen
Kultur und christlicher Verkündigung einsetzen. Da dies innerhalb des
Jesuitenordens nicht möglich war, verließ er
1888 die Gesellschaft Jesu und
wurde von Kardinal
Philipp Krementz als Weltpriester des
Erzbistums Köln aufgenommen.
Während man
sich in den deutschsprachigen Ländern vor allem auf die Afrika-Mission
konzentrierte, versucht Bodewig durch Vorträge, Broschüren und Bücher das
Interesse an der Indienmission zu wecken. Dabei schwebte ihm eine Mission
vor, bei der sich Priester, Laienbrüder und Schwestern möglichst an die
indische Kultur und Lebensform anpassen (Inkulturation).
Die weiblichen Mitglieder wollte er zu Krankenschwestern, Ärtzinnen und Lehrerinnen
ausbilden lassen, um ihnen den Zutritt zu den Frauen zu ermöglichen und
die Bildung der Mädchen zu fördern. Schwestern und Brüder sollten die
Pionierarbeit der Mission leisten, die erst später von Priestern durch
Predigt und Spendung der Sakramente ergänzt werden sollte. Da er die
Laienarbeit und das Laienapostolat so stark betonte, stieß Bodewig mit
seinen Plänen teilweise auf heftige Ablehnung.
Um seine
Ideen verwirklichen zu können, wurde er am 1. September 1892 vom
Pfarrdienst befreit und gründete noch im selben Jahr in
Köln die Missionsgesellschaft der
Unbefleckten Empfängnis für die Evangelisierung Indiens. Weitere
Niederlassungen für die Schwestern konnten in
Bonn und
München eröffnet werden.
1894
bemühte sich Bodewig in
Rom bei der päpstlichen
Congregatio de Propaganda Fide um eine
Genehmigung seiner Gesellschaft und erhielt am 30. Juni ein
Empfehlungsschreiben, das eine Gründung allerdings von der Zustimmung des
Ortsbischofs abhängig machte. Bodewig ließ dieses Schreiben
vervielfältigen und verbreiten. Kardinal Kerentz fühlte sich übergangen,
ordnete im Mai und Juli 1895 Visitationen der neuen Gesellschaft an und
teilte Bodewig am 23. September mit, dass er die neue Kongregation nicht
genehmigen werde. Da Bodewig seine Gesellschaft nicht auflöste, wurde er
nach einer neuerlichen Visitation im November vom Priesteramt suspendiert.
Die
Mitglieder der Gemeinschaft übersiedelten danach nach Hoogstraten bei
Antwerpen. Acht Brüder und 14 Schwestern
wurden im Dezember 1895 nach Indien geschickt, wo allerdings kein Bischof
die Mitglieder einer verbotenen Gemeinschaft aufnehmen wollte. Die meisten
Brüder und Schwestern traten daher anderen Ordensgemeinschaften bei.
Nochmals
versuchte Bodewig direkt in Rom eine Genehmigung für seine Gesellschaft zu
erhalten, doch Papst
Leo XIII. machte bei einer Audienz am 23.
Mai 1896 auch die letzten Hoffnungen zunichte. Mehrere Versuche Bodewigs,
seine Suspendierung aufzuheben, schlugen in den folgenden Jahren fehl.
Erst am 4. September 1909 wurde seine Exkardination von der Erzdiözese
Köln genehmigt, doch erst am 20. Dezember 1913 nahm ihn Kardinal
Désiré Joseph Mercier als Priester in die
Erzdiözese
Mechelen auf.
Nochmals
versuchte Bodewig, eine kirchliche Genehmigung seiner Gesellschaft zu
erhalten. Papst
Benedikt XV. gewährte ihm eine Audienz
für den 9. Januar 1915, doch am Tag davor verstarb Bodewig.
Trotz aller
Widrigkeiten und ohne kirchliche Genehmigung konnte sich die Gemeinschaft
noch zu Lebzeiten ihres Gründers in
Italien und
Österreich ausbreiten. In
Wien konnten Mitglieder
1923 mit Unterstützung des damaligen
Universitätsprofessors
Theodor Innitzer und Kardinals
Friedrich Gustav Piffl die
Missionskongregation der Schwestern „Königin der
Apostel“ gründen.
Werke
-
„Indien
und seine Heiden-Mission“, 1894
-
„Nutzen der heiligen Kommunion“, Mainz 1889
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